Bloß stehen bleiben

MwSt. wird nicht ausgewiesen (Kleinunternehmer, § 19 UStG), zzgl. Versand

Kostenloser Versand für Bestellungen aus dem Inland ab 50 €

Lieferzeit 1 - 3 Werktage

Boyslove, der unter die Haut geht.
Das Finale der Triologie

Klappentext

Durch das Auftauchen seines besten Freundes Roberts kehrt der Frieden in Felix‘ Schulleben zurück. Der einstige Fehler des Outings ist nun eine Freiheit, die er sich wünscht. Doch die Liebe zu Marc lässt ihn nicht gehen und immer wieder taucht er in seinem Leben auf. 
Als sie wieder zueinanderfinden, lösen sie Masterminds Eifersucht aus, die schlimmer ist, als der Hass, dem Felix in seiner Klasse begegnet ist. Denn er ist bereit ihnen alles zu nehmen. Sogar ihr Leben...

Produktdetails

Created with Sketch.

Verlag  Neobooks Self-Publishing 

 Seitenzahl  381 (Printausgabe) 

 Sprache  Deutsch 

Leseprobe

Created with Sketch.

Wer bist du?

Wer bist du?

Wer bist DU?

 Ich versuchte es zu verstehen. Diese eine Frage zu beantworten und nach einer schieren Unendlichkeit kam es zittrig über meine Lippen: „Dein bester Freund aus Kindertagen.“ Robert begann zu lachen. Es war kehlig und schneidend. So anders, als ich es in Erinnerung hatte und umso vieles schmerzhafter als jeder Tritt, Schlag oder Beleidigung, die er mir jemals entgegen geschleudert hatte.

 „Ich soll mit dir befreundet sein? Das ist lächerlich. Niemals würde ich mit einer Schwuchtel befreundet sein. Tut mir leid, Kleiner. Aber ich bin nicht der, für den du mich hältst.“ Er tätschelte mir die Schulter und ging dann an mir vorbei, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Was ist hier gerade geschehen? Warum war er so abweisend zu mir? Das war doch Robert. Ich konnte mich niemals so getäuscht haben. Robert war hier und er musste mich kennen. Wir hatten so viele Jahre miteinander verbracht. So viele Erinnerungen geschmiedet. Er konnte nicht so ohne weiteres verschwinden.

 Mit einem Ruck drehte ich mich um und wollte ihn stoppen, doch er war schon nicht mehr da. Nur noch eine sich bewegende Masse aus Körpern von Menschen, die ich manchmal vom Gesicht her kannte, aber das war auch schon alles. Ich war wieder alleine. Robert wurde mir erneut von einem Strom weggenommen.

 „Robert“, flüsterte ich und hoffte, dass es käme über die Geräusche der Umgebung und ihn erreichte, doch es ging nicht. Ich hatte ihn erneut verloren. Wieso war er hier und doch nicht bei mir? Sollte der Terror von damals wieder losgehen? Gab es überhaupt noch eine Möglichkeit, ihn zu erreichen oder war er nun endgültig für mich verloren?

Niemals würde ich mit einer Schwuchtel befreundet sein. Nein, das war nicht Robert. Solche Worte konnte er nicht sagen und dieses Lachen war auch anders. Ganz gleich, wer dieser Mensch war, er war auf keinen Fall Robert. Da war ich mir jetzt sicher. Robert würde mich doch niemals vergessen.

 „Abgewiesen zu werden tut weh, nicht wahr? Egal, ob in der Liebe oder in der Freundschaft.“ Beim Klang dieser Stimme glitt ein Schauer über meinen Rücken und ich schluckte hart, bevor ich mich wie in Zeitlupe umdrehte. Ich traute meinen Augen nicht, wer dort auf dem Rand des Brunnens saß. 

 Diese tiefen, grünen Augen fixierten mich eindringlich, während das schwarze Haar wie flüssiges Öl über seine Schultern glitt. Wieso war er hier? Was wollte er jetzt von mir? Wie viel hatte er gesehen? Konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen?! Trotz all der Wut in mir nickte ich auf seine Frage und blieb stehen. Zu groß war die Angst, was er mit antun könnte.

„Ist das der Kerl, der dich so fertig gemacht hat und dann von der Brücke gesprungen ist?“ Masterminds Stimme blieb ruhig und er sah mich offen an. Ich wusste nicht, was er von mir wollte. Wieso unterhielt er sich mit mir? Ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut, doch ich spürte, dass die Angst, die ich am Anfang ihm gegenüber hatte, weniger geworden war. Er begann menschlich für mich zu werden und ich wusste nicht, ob das gut war. Aber selbst wenn, konnte ich es sowieso nicht stoppen.

 „Woher weißt du das?“ Ich war überrascht, wie viele Informationen er über mein Leben besaß. Schließlich hatte ich schon lange nicht mehr ins Forum geschrieben und mit ihm hatte ich nie über meine Probleme geredet. 

„Du scheinst unser zweites Verbindungsstück gerne zu vergessen, kann das sein?“ Er lachte auf und es klang anders als sonst. Auf sonderbare Weise echt. „Marc hat sich mit mir nicht nur abgelenkt, sondern lädt auch gerne seinen Müll bei mir ab.“ Er zuckte mit den Schultern und etwas sträubte sich in mir, dass er nun seinen echten Namen wusste. Das war etwas Besonderes zwischen mir und Marc gewesen, doch jetzt wirkte es auf einmal beschmutzt und ich konnte nicht verhindern, dass ich versuchte den Dreck von mir wegzuwischen. 

 „Welpen trifft so eine Ablehnung besonders stark. Hunde stecken es ein bisschen besser weg und auch wenn du es nicht gerne hörst: Ein Hund bist du noch lange nicht. Du brauchst immer noch Führung, denn alleine versemmelst du nur alles. Machst Alleingänge, die echt nicht nötig wären und stößt Leute von dir, die alles für dich tun würden. So einen dummen Welpen habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“ Erneut lachte er amüsiert auf und ich konnte nicht verhindern, dass es mich in diesem Moment verletzte. „Aus diesem Grund bin ich eine Katze.“

 „Nein“, widersprach ich ihm sofort und er schaute mich überrascht an. Es war das erste Mal, dass ich Mastermind sprachlos erlebte und man ihm direkt ansah, dass er nicht wusste, was er nun sagen sollte. Noch nie hatte ihm wohl jemand einen Spiegel vors Gesicht gehalten, doch ich wollte mir diese Lüge nicht mehr anhören. Ich wollte ihm endlich die Maske herunter reißen und ihm zeigen, dass er sich hinter einem Trugbild versteckte.

 „Du bist keine Katze. Klar, du tust so, aber du bist es nicht. Wärst du wirklich eine Katze, dann würdest du Marc einfach vergessen und gehen, aber das kannst du nicht. Er hat dich zu einem Hund gemacht.“ Ich wusste nicht, ob es gut war, was ich tat, doch ich konnte es auch nicht stoppen. Diese Lüge musste endlich aufhören. Mastermind machte sich damit nur selbst kaputt, doch anstatt Erkenntnis kam nur Zorn und Trotz in seine Augen.

„Was weißt du schon? Du hast keine Ahnung über dieses System und weißt nicht, wie man es anwenden muss! Ich habe es mir ausgedacht, also weiß ich auch selbst am besten, wer was ist! Du bist ein blöder Welpe, der einen Tritt gegen den Schädel verdient hat! Wärst du weg, dann wäre Marc endlich wieder frei! Es wäre so einfach.“ Er krümmte seine Finger, als würde er etwas zerquetschen und schon war sie wieder da. Mit dem Wahnsinn in seinen Augen kehrte die Angst vor ihm zurück.

 Als er plötzlich vom Brunnenrand herunterglitt, wich ich automatisch einen Schritt zurück, um nicht in seine Reichweite zu gelangen. Dieses Verhalten ließ ihn erneut auflachen. „Du wirst immer ein Angsthase sein. Diese Anflüge von Mut verleihen dir nur kurzzeitig etwas Kraft, aber du wirst dich niemals ändern. Du wirst immer ein schutzloser Welpe und somit ein perfektes Opfer bleiben.“

 Er ging an mir vorbei und ließ mich ohne Abschied zurück. Dieser Fakt versetzte mir einen leichten Stich ins Herz. Hatte Mastermind vielleicht Recht? War ich immer noch wehrlos? Aber diese Zuversicht und dieser Mut. Sie konnten doch nicht schon wieder verschwunden sein. Hatte sie mir Robert mit seiner Ablehnung weggenommen? Robert...

Bitte, lass uns wieder Freunde sein...